• Hanne Luhdo

Engel auf Erden


Manchmal braucht man einen Schutzengel bzw. Menschen, die zur rechten Zeit am rechten Ort sind. Als ich am 10. Dezember mit dem Fahrrad im Mueßer Holz unterwegs war, um für den Verein Plakate und Broschüren zu verteilen, stürzte ich plötzlich auf der Straße. Wie es genau passierte, weiß ich nicht. Als ich wieder zu Bewusstsein kam, waren Menschen um mich herum, die mich auf einen Sims zogen und die Blutung am Kopf zu stoppen versuchten. Sie nahmen meinen Handschuh und drückten ihn fest an die Schläfe. Jemand holte ein gelbes Handtuch aus seiner Wohnung. Ich konnte kaum etwas erkennen, denn meine Brille war bei dem Sturz zerbrochen. Das blutverschmierte Haar beeinträchtigte meine Sicht. Jemand schlug vor, meinen Mann anzurufen. Der Rettungswagen war bereits alarmiert worden. Ich angelte mein Handy aus meiner Tasche und gab es den Helfern. Mein Mann bekam natürlich einen gewaltigen Schreck und machte sich sofort auf den Weg. Derweil war der Krankenwagen eingetroffen. Ich glaub, der war ziemlich schnell da. Das Rettungsteam versorgte meine Kopfwunde, kontrollierte meine Reflexe, fragte mich dies und das und brachte mich in die Klinik. Mein Mann fuhr hinterher und wartete vier Stunden in der Notaufnahme, bevor man ihn informierte, dass ich wegen einer Gehirnerschütterung zur Beobachtung auf Station bleiben müsse. In mir drehte sich alles. Nicht nur wegen der Gehirnerschütterung. Es war „Tag der Menschenrechte“, und ich hatte die Fäden für eine Kundgebung in unserem Stadtteil in der Hand. So war es geplant. Kerzen, Banner und Akkuleuchten lagen noch in der Wohnung, ich in der Klinik………… Mein Mann brachte alles zum Veranstaltungsort – mit leichter Verspätung. Ich fand mit Hilfe einer Schwester die Handynummern heraus, die ich brauchte, um die anderen Organisatoren zu benachrichtigen. Von meiner Brille war nur ein Glas übriggeblieben. Aber besser als nichts. Es war Schwerstarbeit. Ich versuchte mich zu entspannen - so gut man das im Krankenhaus eben kann. Die Abendbrotzeit war während meiner Aufnahme spurlos an mir vorbeigezogen. Ich erbettelte mir zwei Scheiben Brot mit Käse und Tee. Schließlich hatte ich den ganzen Tag noch nichts gegessen.

Mein Mann brachte mir wenig später einige Sachen für den Kurzaufenthalt. Weil er sich nicht entscheiden konnte, packte er sieben T-Shirts und fünf Slips ein, zwei davon hatte er versehentlich von seiner Seite gegriffen. Auch die Unterhemden gehörten nicht mir. Aber macht nichts. Alles war mit Liebe eingepackt.

Am späten Abend wurde das Bett neben mir belegt. Gegen sechs Uhr morgens kam der erste Teil der Putzkolonne……. Die Nacht war vorbei. Ich wartete auf meine Entlassung, die am Nachmittag erfolgte, nachdem ich dreimal im Schwesternzimmer nachgefragt und mich vorm Arztzimmer aufgebaut hatte.

Aber ich habe es überstanden, dank der Menschen, die einen kühlen Kopf bewahrten und vor Ort Erste Hilfe leisteten. Allen voran Diana Genz, die mit dem Auto angehalten hatte, als sie mich stark blutend auf der Straße liegen sah. Ich war offenbar in der glatten Kurve ins Schleudern gekommen. Ihren Namen habe ich erst später erfahren, per Zufall. Solche Geschichten sprechen sich im Stadtteil rum, und so konnte ich mich bei der Verkäuferin bedanken. Die Namen der anderen kenne ich nicht. Sie kamen aus der Nachbarschaft dazu, nicht, um zu gaffen, sondern, um zu helfen. Ohne sie wäre ich vielleicht verblutet, denn es war eine Arterie verletzt. Ihnen sage ich Dankeschön.

Und allen anderen möchte ich Mut machen, auch so entschlossen zu handeln, wenn sie mal in eine ähnliche Situation kommen und unsicher sind, was zu tun ist. Nur, gar nichts zu tun, ist falsch. DANKE Mueßer Holz.

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