• Hanne Luhdo

Von "Plattelinos" und anderen Kulturen


Früher gab es den „Tanz in den Mai“. Aber wie viele andere Dinge ist auch diese Tradition verblasst. Deshalb entstand vor vier Jahren die Idee, eine Neuauflage zu kreieren, den „Tanz der Kulturen“ - dem Wandel unserer Gesellschaft angepasst. Diese ist bunter geworden, aber nicht unbedingt unternehmungslustiger. Vielen ist die Lust am Feiern und Tanzen vergangen. Doch oft ist es auch nur die Bequemlichkeit, die die Menschen in den eigenen vier Wänden hält. Aber: Alles Neue braucht seine Zeit, Geduld und Hartnäckigkeit. Jedenfalls hat sich auf dem Schweriner Marktplatz am 30. April der „Tanz der Kulturen“ etabliert, der von der Gewerkschaft ins Leben gerufen wurde, unterstützt von der Flüchtlingshilfe Schwerin. Auch in diesem Jahr wurde wieder getrommelt, gesungen und musiziert. Sechs Stunden lang gab es Kultur unterschiedlichster Nationalitäten. Höhepunkt war diesmal das internationale Sufi-Jazz-Weltmusik-Ensemble „Cairo Steps“, das mit wunderbarer Musik überzeugte. Die Sänger Olga Mikheeva aus der Ukraine und Nasser Masoud aus Syrien bewiesen, dass Musik Grenzen und Sprachhürden überwindet. Danke.

Doch bevor die großen Stars die Bühne für sich hatten, waren die Nachwuchskünstler an der Reihe: trommelnde und tanzende Mädchen und Jungs. Auch die „Plattelionos“ vom Verein „Die Platte lebt“ durften ein Gastspiel geben. Da ihr Auftritt erst kurzfristig ins Programm aufgenommen wurde, war nur die Minimalbesetzung dabei. Trotzdem: Gerade diese Mädchen zeigten, was interkulturell bedeutet. Die Mädchen aus Syrien, Afghanistan und Somalia haben eben auch ihre „Paulina aus Deutschland“ in ihrer Mitte. Paulina weiß nicht, wie es ist, wenn man wie „Sami“ (eines unserer Lieder) auf der Flucht ist, wenn man sein Land verlassen muss, weil dort Krieg und Terror herrschen. Aber Paulina weiß schon, dass Deutschland kein Schlaraffenland ist. Und wie die meisten Kinder macht sie keinen Unterschied zwischen den Kindern aus unterschiedlichen Ländern. Kinder wollen zusammen spielen, singen, tanzen, toben….. Allein der Nasenfaktor entscheidet. Die Mädchen lernen voneinander und machen es den Erwachsenen vor, wie Integration funktioniert. Der Streit um ein bestimmtes Tuch, um das größte Eis oder um den Platz in der ersten Reihe ist schnell vergessen. Kinder leben uns Toleranz und Versöhnung vor. Auch dafür: Dankeschön.

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