• Hanne Luhdo

Zwischen Vergangenheit und Zukunft

Schweriner Fernsehturm wurde für rund 3000 Besucher zum Museum auf Zeit

Der gute alte Fernsehturm staunte nicht schlecht, als sich am 13. Oktober die Türen öffneten, nachdem sie fast zwei Jahre geschlossen blieben. Sieben Tage lang konnten Schweriner und Touristen von der Aussichtsplattform in 97,5 Meter Höhe die Stadt von oben bestaunen - dank der Initiative des Filmemachers Michael Kockot und seiner Partner.

Doch es ging nicht nur um den Blick von oben, sondern auch nach innen – auf die 48-jährige Geschichte des Plattenbaugebiets, die im November 1971 mit der Grundsteinlegung für den Großen Dreesch begann. Die Besucher waren aufgerufen, Erinnerungsstücke mitzubringen für ein „Museum auf Zeit“. Und so wanderten Urkunden, Fotos, Wimpel, Granatsplitter von der Explosion des Munitionslagers der sowjetischen Armee 1984 in der Ludwigsluster Chaussee, Eingewecktes aus DDR-Zeiten, Speisekarten, Kompass, Feldstecher, Schallplatten, Spielsachen, Mietverträge und andere Dokumente in Vitrinen und an den Wände im Foyer. Auch MueZi, zwischen 2006 und 2017 Maskottchen vom Dreesch, kam in Form einer Standfigur in die Ausstellung. An den Fensterscheiben klebten Fotos vom ehemaligen SVZ-Fotografen Ernst Höhne - Erinnerung an vergangene Jahrzehnte.

Aber das Wichtigste waren wohl die Gespräche zwischen Empfang, Fahrstuhl und Aussichtsplattform während der Wartezeiten. Am letzten Öffnungstag mussten die Gäste zeitweise über zwei Stunden ausharren, bis sie nach oben fahren konnten. Für Michael Kockot „ein Traum“, wie geduldig und diszipliniert die Besucher blieben. Er nutzte die Zeit für Interviews für einen Dokumentarfilm über die Menschen auf dem Dreesch und ihre Geschichten.

Doch es ging in dieser Projektwoche nicht nur um Erinnerungen, sondern auch um Träume. Und da steht der Wunsch, dass der Fernsehturm wieder dauerhaft seine Türen öffnet, ganz oben auf der Liste. Oberbürgermeister Rico Badenschier war sichtlich beeindruckt von der großen Resonanz und gab sich optimistisch, dass man Wege für eine Finanzierung der Turmsanierung finden werde. Bis es soweit ist, könnte es weitere einzelne Kulturaktionen geben. Der Verein „Die Platte lebt“ hat seine Bereitschaft dazu bereits bekundet, vorausgesetzt, dass die vertraglichen Voraussetzungen dafür mit der Telekom von der Stadt geschaffen werden. „Der Fernsehturm war in diesen Tagen mehr als eine Schweriner Sehenswürdigkeit. Er war ein Ort der Begegnung“, sagte Kockot und bedankt sich bei den Unterstützern und Förderern, der Stadt Schwerin, dem Kultusministerium MV, der Friedrich-Ebert-Stiftung und der Ehrenamtsstiftung MV sowie dem Freilichtmuseum Mueß, der Galerie vom „Dezernat 5“ und den ehrenamtlichen Helfern, ohne die dieses Projekt nicht möglich gewesen wäre.



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